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Vladimír Godár: Mater • Künstlerin: Iva Bittová • Komponist: Vladimír Bodár • VÖ 19. Januar 2007: Album: Vladimír Godár: Mater bei Amazon bestellen • |
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Vladimír Godárs rund einstündige Kantate
?Mater? setzt sich aus sechs in sich
eigenständigen Werken zusammen, wobei das eröffnende
?Maykomashmalon? zum Abschluss wiederholt wird. Die
Besetzungsstärken reichen vom Trio für Stimme, Viola und
Cello bis hin zum Tutti von Soli, Chor und Streichorchester. Ein
durchgehendes Klangcharakteristikum ist die Verwendung historischer
Streichinstrumente in tiefer Stimmung, wobei auch typische
Barockinstrumente wie Chitarrone und Cembalo zu hören
sind.
Alle Stücke ? sie entstanden zwischen 1997 und 2005 ? widmen sich Aspekten des menschlichen Lebenskreislaufs. Lateinische und slowakische Textvorlagen, Jiddisches und Christliches, sakrale und weltliche Gesänge verbinden sich unter dem überkonfessionellen Thema ?Frau? respektive ?Mutter?: als Beschützende, Tröstende, Trauernde und als Himmelskönigin. ?Die Jungfrau Maria gilt als Wohltäterin des polnischen und des slowakischen Volks?, sagt Vladimír Godár. ?Mutter ist in der slawischen Welt zugleich auch ein Symbol für das Mutterland, und das Bild der Mutter, die ihren eigenen Sohn begraben muss, ist eines der erschütternsten Bilder unserer Vorstellungswelt, weil es die Fundamente und den Fortbestand des Lebens selbst in Frage stellt.? ?Ecce Puer? auf ein Gedicht von James Joyce wurde unter Leitung von Andrew Parrott 1997 von der Sängerin Emily van Evera und dem Barockgeiger John Holloway uraufgeführt, der auf seiner ECM-Einspielung ?Unarum Fidum? im selben Jahr auch Vladimír Godárs Bearbeitung der Ciaconna von Antonio Bertali vorlegte. ?Stálá Mater?, das in slowakischer Sprache gesungene Stabat Mater, wurde dagegen unmittelbar von Ivá Bittovás Kunst angeregt: ?Von allen geistlichen Texten hat mich das Stabat Mater immer am meisten angezogen?, sagt Vladimír Godár. ?Als ich die Vertonung Arvo Pärts zu hören begann, erschien mir diese derart perfekt, dass ich eine neue Version zunächst für redundant hielt. Erst als ich Ivá Bittová kennen lernte, ihre musikalische Intuition, Energie und Disziplin, da wusste ich, dass ich ein Stabat Mater für sie würde schreiben können. Ihr Gesang ist rein und voller Emotion und ihre Aussprache exzellent.? In der Folge arbeiteten Iva Bittová und Vladimír Godár bei einer Reihe von Projekten zusammen, unter anderem für die Aufnahme der ?Mährischen Volkspoesie in Liedern? von Leo? Janácek, bearbeitet von Vladimír Godár. Der Komponist unterstützte die Sängerin darüber hinaus bei der Vorbereitung ihrer Zusammenarbeit mit den Bang on a Can-All-Stars, die auch auf CD festgehalten wurde. 2003 gaben die Musiker der hier vorliegenden Aufnahme beim Musikfestival von Bratislava schließlich ein gemeinsames Konzert unter dem Motto ?Lamentations, Meditations, Jubilations?, bei dem die neuen Kompositionen ?Magnificat? und ?Regina Coeli? hinzukamen. Vladimír Godár, geboren 1956 in Bratislava, wurde in seiner Heimatstadt zunächst in Zwölftontechnik und seriellen Kompositionsverfahren ausgebildet. Doch dann entdeckte er die Alte Musik für sich. ?In den siebziger Jahren entstanden bei uns eine ganze Reihe von Ensembles, die sich der historischen Aufführungspraxis verschrieben. Ich spielte damals viel Continuo, zunächst am Klavier, später am Cembalo. Das waren wichtige Momente meines musikalischen Lebens. Aus diesen Verbindungen ging später das erste bedeutendere slowakische Barock-Ensemble, Musica aeterna, hervor, in dem auch der Geiger Milo? Valent seine Karriere begann. Die Auseinandersetzung mit Alter Musik veränderte meine Vorstellung von zeitgenössischem Komponieren von Grund auf. Ich wurde mir klar darüber, dass die Grundsätze des Schöpferischen relativ sind, und dass unterschiedliche Denkansätze zu ganz verschiedenen Ergebnissen führen können.? Trotz seiner Bewunderung für Komponisten wie Ligeti, Lutoslawski, Berio, Xenakis oder Górecki intensivierte Vladimír Godár seine Studien der Vokalpolyphonie der Renaissance während seines einjährigen Stipendienaufenthalts in Wien noch. ?Der Kontakt zu meinem Wiener Professor, Roman Haubenstock-Ramati, beschränkte sich auf insgesamt zehn Minuten, aber ich verbrachte ganze Wochen in der Bibliothek, wo ich de Vitry, Machaut, Dufay, Ockeghem und viele andere studierte.? Prägend wurde die Lektüre des Romans ?Doktor Faustus? von Thomas Mann, insbesondere dessen berühmtes 25. Kapitel mit der Diskussion zwischen Leverkühn und dem Teufel. ?Jeder Klang trägt das Ganze, auch die ganze Geschichte mit sich?, lautet der zentrale Satz des Teufels, den Vladimír Godár auf sehr persönliche Weise deutete. ?Unter dem Einfluss von Thomas Mann verlor ich den Glauben an den Fortschritt in der Kunst und entwickelte die Idee einer Art musikalischer Archäologie?, schreibt der Komponist in seinem Begleittext zu Mater. ?Kunst baut auf existierenden Texten auf, sie ist die Auslegung von Texten, insofern ist jedes neue Kunstwerk ein Palimpsest.? Ganz bewusst integriert Mater daher Elemente existierender Texte, seien diese nun verbaler oder musikalischer Natur: Die Zwischenspiele der alten slowakischen Wiegenlieder lehnen sich an Renaissance-Kompositionen für Gamben-Consort an, das ?Magnificat? basiert auf der traditionellen Intonation, wie sie sich etwa in Monteverdis ?Marienvesper? findet. ?Regina Coeli? ist dem Musiziergestus der frühen Alte-Musik-Bewegung in der Slowakei nachempfunden. Und die Gesamtordnung von Mater ist angeregt von einer Kurzgeschichte des tschechischen Schriftstellers Bohumil Hrabal. Vladimír Godár gilt als einer der wichtigsten Musikologen der Slowakei und war von 1991 bis 1996 Herausgeber der Slowakischen Musikzeitschrift "Slovenska Hudba". Für seine Werke erhielt er zahlreiche nationale Preise. In der Saison 1993/94 war er Composer in Residence des Philharmonischen Orchesters der Slowakei. Vladimír Godár hat sich darüber hinaus einen Namen als bedeutender Filmkomponist gemacht. Line-up
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