|
Hair Die Story |
Das Musical 'Hair' hat als Besonderheit, dass es jeweils an aktuelle Zeitläufe angepasst werden kann ("work in progress"). Deshalb sind inhaltliche Abweichungen von den Autoren geplant, erwünscht und auf der Bühne zu erwarten.Der Vietnamkrieg ist heute Vergangenheit, spielt deshalb auch in den heutigen Aufführungen eine untergeordnete Rolle. Der beschriebene Inhalt richtet sich an der Bühnenfassung aus, die im Jahr 2001 in Wien Premiere hatte.Erster AktNew York heute. Die 68er liegen hinter uns, aber die Jugend sucht heute wie damals ihren Platz in der Gesellschaft. Kämpft für die Ideale von sozialer und politischer Gerechtigkeit, für Frieden und eine Welt ohne Gewalt. Außerhalb der Normen, friedliebend, gut drauf, was Drogen, Sex und wechselnde Beziehungen und das Verhältnis zwischen Schwarz und Weiß betrifft. Auf dem Weg, erwachsen zu werden, bemüht, den konventionellen Regeln der Gesellschaft nicht zu gehorchen - sich jedenfalls nicht von ihnen beherrschen zu lassen - Hair, die langen Haare sind der sichtbare Ausdruck dafür.Claude wird jetzt in einer Tatoo-Zeremonie in die "Tribe" (= Gruppe) von Berger und dessen Freundin Sheila aufgenommen. Alle glauben fest daran, dass ein neues Zeitalter anbrechen wird, und Dionne singt über Harmonie und Verständnis unter den Menschen (Aquarius). Berger (Donna) ist charismatisch, wild und anarchistisch und der Anführer der "Tribe". Woof (Sodomie), Maskottchen und "Gärtner spezieller Pflanzen", gehört ebenso zu Truppe wie Hud, der für die Gleichberechtigung der Afroamerikaner kämpft (I'm a Colored Spade). Auch Claude findet hier einen Platz für sich und seine Träume (Manchester England). Die "Tribe" ist gegen die Lebensart ihrer Eltern. Sie wollen anders sein und vor allem frei! Sie demonstrieren gegen den Vietnamkrieg und gegen Rassismus. Sie wollen soziale Gerechtigkeit, eine klassenlose Gesellschaft und kollidieren (Dead End) deshalb mit den Wertvorstellungen ihrer Eltern und Lehrer. Die ganze "Tribe" will nicht so werden, wie das "Establishment" (die Erfolgreichen und Schönen). Sheila, eine Kämpferin wie Jane Fonda in den 80ern, setzt sich unbeirrbar für den Kampf gegen politische Gewalt und für Menschenrechte ein. Ihr Glaube an die Kraft der Liebe lässt sie unermüdlich zu Demonstrationen und Zusammenkünften aufrufen. Claude steht vor der schwersten Entscheidung seines jungen Lebens. Er ist zum Militärdienst einberufen worden, und in seiner Verzweiflung denkt er daran, den Einberufungsbefehl zu verbrennen. Er steht stellvertretend für alle jungen Männer dieser Welt, die von ihrem Land gezwungen werden, in den Krieg zu ziehen und vielleicht sogar töten zu müssen. Doch Claude ist nicht der einzige mit Problemen. Jeanie ist in Claude verliebt und schwanger. Den Vater ihres Kindes hat sie nie wieder gesehen, ihre Eltern versagen ihr jede finanzielle Unterstützung. Auch sie findet Halt und Wärme in der Gruppe und kämpft gegen die Umweltzerstörung (Air). Die permanenten Vorhaltungen und Maßregeln der Eltern bewirken bei Claude nur das Gegenteil (I Got Life). Von einem US-Ehepaar auf ihre eigenwillige Lebensweise angesprochen, bestehen Berger, Claude und der gesamte Tribe auf ihrem Recht zur Individualität (Hair). Berger ist eben von der Highschool geflogen, und obwohl er die Verantwortung für den ganzen Tribe trägt, ist er immer noch ein großes Kind. Er stellt Sheila, die ihn aufrichtig liebt und ein Kind von ihm erwartet, vor allen bloß und verletzt ihre Gefühle tief (Easy to be Hard). Dem patriotischen Amerika-Begriff ihrer Eltern können die Jugendlichen nichts abgewinnen. Ihr Umgang mit der Geschichte des Landes ist kritischer, mit dem Symbol der Fahne respektloser. Crissy, die jüngste, ist unglücklich in einen Typ verliebt, den sie ein einziges Mal gesehen hat (Frank Mills). Die große Zusammenkunft im Central Park (Be-In) steht bevor. Ein friedliches Zusammensein soll in der rituellen Verbrennung der Einberufungsbefehle gipfeln, soll die Gruppe noch fester zusammen schweißen. Einer nach dem anderen wirft seine Karte ins Feuer. Claude zögert, er schafft den Schritt nicht. Zu präsent sind noch immer die Werte seiner Eltern und das Pflichtgefühl gegenüber der Gesellschaft (Where Do I Go). Zweiter AktHigh Tech, elektronische Musik, Computer, Massenmedien - all das sind die Errungenschaften der Gegenwart, die heutzutage voll genützt werden, aber auch "dunkel" enden können (Electric Blues).Die "Tribe" feiert gemeinsam ein weiteres Ritual, um das kommende Wassermann-Zeitalter zu begrüßen ("Age of Aquarius"), das das ihre sein wird. Sie diskutieren, streiten, leben und lieben heftig. Claude hat sich lange nicht bei seinen Freunden sehen lassen. Als er wieder auftaucht, verschenkt er plötzlich persönliche Dinge. Berger wird misstrauisch. Er und Jeanie beginnen zu ahnen, was in Claude vorgeht. Die Mädchen der Gruppe merken nichts von der Veränderung Claudes, sie sind vollends mit dem anderen Geschlecht beschäftigt (Black Boys, White Boys). Woofs fürsorglich gezogene Pflanze "Twiggy" wird ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt. Ein Trip mit wirren Bildern beginnt. Was ist real, was ein Traum? Angst, Euphorie und Horror liegen nahe beisammen. Weiß das Unterbewusstsein mehr als man zu wissen glaubt? Scheinbar schwerelos (Walking in Space) lassen sich alle in diesen Traum fallen, der für Clade zu einem Horrortrip wird (The War, Three-Five-Zero-Zero). Alle erwachen aus dem Trip, der für niemanden so schlimm war wie für Claude. Er hat Dinge gesehen, die er nie sehen wollte. Verstört denkt er über seine Zukunft nach, und wieder scheint es, als ob es keinen Ausweg gäbe, als der Einberufung zu folgen. Er wird in den Krieg einziehen und all diese Dinge tun, die er nie tun wollte. Es ist Nacht (Good Morning Starshine), und alle verabschieden sich. Während seine Freunde am nächsten Morgen unermüdlich vor dem Einberufungszentrum demonstrieren, weiß Claude, dass er in den Krieg ziehen wird. Seine Vorahnungen haben sich erfüllt (The Flesh Failures). Claude nimmt von seinen Freunden Abschied (Eyes Look Your Last). Ein Abschied, der trotz allem von Hoffnung, Liebe und dem Glauben an Frieden getragen ist (Let the Sunshine in). Zum Weiterlesen |
|
• ThemenChannel CyberMusical bei Familie-im-Web • © 1994 - 2006 Dirk Jasper |