Hair
Der Weg zum Erfolg
Das Musical Hair wurde 1967 von James Rado und Gerome Ragni, zwei arbeitslosen Schauspielern, geschrieben. Rado erzählt: "Wir kannten natürlich das traditionelle Broadwayformat, aber wir wollten etwas Anderes schaffen, etwas Neues, das das ungeheure Lebensgefühl auf die Bühne brachte, das wir in den Straßen spürten." Es war das Leben der langhaarigen, friedliebenden, frei schwebenden Hippies des East Village in New York.
Sie boten ihr Stück, das sie zunächst "An American Tribal Love Rock Musical" nannten, am Broadway an, ohne bei den erfolgsgewohnten Produzenten landen zu können. Aber Joseph Papp, der legendäre Gründer des 'New York Shakespeare-Festivals', ermutigte die beiden Autoren, an ihrem "Musical ohne Libretto", wie sie es selbst ironisch nannten, weiter zu schreiben.

So kam Galt MacDermot ins Team, der bei Joseph Papp musikalischer Mitarbeiter war und sich in die Hippieszene stürzte, um seinen Stil für die Musik zu Hair zu finden. Joseph Papp bot ihnen an, das Stück in seinem 'New York Shakespeare Festival Theater' im gerade zu eröffnenden 'Public Theater' mit einer Laufzeit von sechs Wochen aufzuführen.

Am 17. Oktober 1967 war dort schließlich Premiere, und damit wurde der Versuch erfolgreich, einer bis dahin oft fälschlich als Subkultur missverstandenen, jugendlichen Ausdrucksform die Bühne zu bereiten. Vor dem politischen Hintergrund des Vietnamkrieges und einer kulturellen Rebellion der jüngeren Generation hatten sich der Komponist Texter zusammen getan und ein Stück US-Gegenwart in einem Musical eingefangen. Was den beiden dabei gelang, wurde dann aber doch mehr.

Zwar ist Hair bis heute der unverfälschte Ausdruck jener 60er Jahre und ihrer kulturellen Turbulenzen geblieben, jedoch hat es dank seiner mitreißenden Musik, seiner intelligenten und amüsanten Liedtexte und einer formalen Offenheit, die allen erdenklichen Regie- und Improvisationseinfällen breiten Raum lässt, seine Zeit längst eindrucksvoll überdauert. Zudem ist Hair ein ausgesprochenes Ensemble-Stück mit außergewöhnlich effektvollen, einfalls- und aktionsreichen Szenen.

Bei der späteren Wiederaufnahme am Broadway am 29. April 1968 hatten die Autoren noch einiges geändert (das Stück ist immer noch ein "work in progress" in verschiedensten Fassungen geblieben) und einen neuen Regisseur gefunden: Tom O'Horgan übernahm die Regie und James Rado selbst die Rolle des Claude. Drei Monate später startete die Show - unter anderen mit Diane Keaton - am 29. April 1968 und lief über 1.742 Vorstellungen bis zum 1. Juli 1972.

Das erste Rock-Musical am Broadway beschäftigte in der Folge die US-Gerichte. Noch im Jahre 1970 verlangte der Oberste Gerichtshof von Massachusetts Auflagen und Änderungen, die eine geplante Aufführung in Boston verhinderten! Die betraf meist die kurzen Nacktszenen in der Aufführung.

1969 wurde Hair für zwei 'Tony Awards' nominiert. Der Siegeszug von Hair hatte seinen Anfang genommen. Hits wie Aquarius, Let the Sunshine in oder Hair sind seither um die Welt gegangen. Kein Wunder also, dass Hair innerhalb weniger Jahre in vielen Auslandsinszenierungen um die ganze Welt ging und dass einzelne Musiknummern über Monate die Hitlisten der Welt beherrschten.

  • 29. Oktober 1967: Premiere in New York, New York Shakespeare Festival Public Theatre. Produzent Joseph Papp, Choreographie und Regie Gerald Freedman
  • 29. April 1968: Premiere am Broadway, Biltmore Theatre. Produzent Michael Butler, Choreographie Julie Arenal, Regie Tom O'Horgan
  • 27. September 1968: Premiere im Londoner West End, Shaftesbury Theatre.
  • 24. November 1968: Deutschsprachige Erstaufführung München, Theater an der Brienner Straße. Deutsch von Ulf von Mechow und Karl-Heinz Freynik, Gesangstexte Walter Brandin.
  • 1978: Filmversion: Produzenten Lester Persky, Michael Butler, Choreographie Twyla Tharp, Regie Milos Forman.

Zum Weiterlesen
Plakatmotiv für das Musical 'Hair' Ende der 60er Jahre
Plakatmotiv für das Musical 'Hair' in Wien
Szenenfoto aus Wien: VBW / Jim Rakete
Szenenfoto aus Wien: VBW / Jim Rakete
Szenenfoto aus Wien: VBW / Jim Rakete
Szenenfoto aus Wien: VBW / Jim Rakete
Szenenfoto aus Wien: VBW / Jim Rakete
Szenenfoto aus Wien: VBW / Jim Rakete
Szenenfoto aus Wien: VBW / Jim Rakete
Szenenfoto aus Wien: VBW / Jim Rakete

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