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This Is Always • Künstlerin: Ruth Young • VÖ 30. Mai 2005: Album: This Is Always bei Amazon bestellen • |
"You're a great, great lady, Ruth ... keep singing." Chet Baker in einem Brief an Ruth Young."Verehrter Zuhörer, bitte bedenken Sie beim Hören, dass dieses Album KEIN Tribut an Chet Bakers Werk sondern meine innerste Erinnerung und Widmung an unsere öffentlichen und privaten Jahre darstellt." Ruth Young
Diese zwei Zitate können mehr über die Geschichte einer Künstlerin und ein Album sagen als eine ausführliche Biografie. Doch die Geschichte von Ruth Young wurde viel zu selten erzählt und ist viel zu schön, um nicht ein bisschen auf das interessante Leben von Chet Bakers langjähriger Lebensgefährtin einzugehen. Als Tochter von Max Youngstein, Vize-Präsident der United Artists Company und Gründer von United Artists Records, wuchs Ruth Young zwischen New York City und Beverly Hills in einer Welt des Glamour und Showbusiness auf. Stars wie Marilyn Monroe, Warren Beatty und Stan Getz waren stetige Gäste im elterlichen Hause und prägten die Allüren der jungen Ruth Young bereits im Kindesalter. Es waren die Schallplatten von Peggy Lee, Anita O'Day und Billy Holiday aber vor allem der Gesang des jungen Chet Baker, der den Teenager tief beeindruckte und zum Singen animierte. Ermutigt durch den Erfolg Barbara Streisands strebte Ruth Young eine Gesangskarriere an. Von vielen Seiten bestätigt, probte sie bald mit dem Pianisten von Anita O'Day, Alan Marlowe, mit dem Ziel, ihr Talent in einem eigenen Stil zu festigen. Erfolgreich - Marlowe stellte Ruth Young Miss O'Day persönlich vor, die ihre Fähigkeiten erkannte. So trat sie bald regelmäßig im Half Note neben Jimmy Rushing, Roy Eldridge, Kai Winding und Zoot Zims auf. Wegen persönlicher Probleme zog Ruth Young die freundschaftlichen Club-Gigs mit wechselnden Begleitmusikern einer Karriere durch die United Artists vor - wenngleich ihr Demo gut angenommen wurde und sie sogar einen Plattenvertrag angeboten bekam. Eine schicksalhafte Fügung. Denn es war im Jahre 1973, bei einem solchen Gig, wieder im Half Note, als sie auf den jungen Jazz-Weltstar Chet Baker traf. Was für ein wundervolles Zusammentreffen - mit nahezu identischer Art der Phrasierung, ebensolchem Timing und vor allem gleicher, samtweicher Sensibilität stellte Ruth Young das weibliche Gegenstück zu Chet Bakers Gesang dar: ebenso cool, sexy und schüchtern und dabei doch so sicher im Ausdruck jazziger Tristesse. Er engagierte sie vom Fleck weg und ihre Stimme eroberte Chets Publikum - und sein Herz. Ruth Young wich die nächsten zehn Jahre nicht mehr von seiner Seite. Die Erfolgsgeschichte Chet Bakers ist so spektakulär wie tragisch - jeder, der Auszüge daraus kennt, weiß, dass sich in ihr beinahe mehr Gesetzeskonflikte als Studiotermine finden. Cooler Jazz, Schönheit, Alkohol, Drogen und Ruhm vereinten sich über Jahre zu einer ungesunden Mischung, die bei dem einstigen Mädchenschwarm ihre Spuren in Form tiefer Falten, ausgeschlagener Zähne und zahlreichen Einreiseverboten ob Drogenbesitzes hinterließen. Ruth Young ist lebendiger Teil dieser Geschichte und erlebte sie hautnah - in den schäbigsten Jazz-Clubs wie in den Carnegie Halls dieser Welt. "... wie es ist, sein Innerstes zu verfüttern? Anstatt als gewöhnlicher Mensch an diesem Leben teilzunehmen, suchst du nach einem weiteren Gift, dass dich dein Spiegelbild ertragen lässt." Viele Mädchen, die Chet "My Funny Valentine" haben singen hören, und sich ihm, betört durch den Gesang dieses liebesergriffenen Jungen, hingaben, hatten oftmals böses Erwachen neben einem Junkie. Doch die Leidenschaft zwischen Ruth Young und Chet Baker war stärker als die Drogen, und eine zehnjährige Bindung unter derart harten Karriere-Bedingungen spricht wahrlich für sich. In der wirren Diskographie Chet Bakers, deren Länge sich auch durch Chet Bakers suchtbedingten Geldmangel und viele billige Produktionen erklärt, findet sich trotz des jahrelangen, gemeinsamen Tourens nur eine Aufnahme mit Ruth Young: 'The Incredible Chet Baker Plays And Sings'. Aufgenommen 1976 in Mailand, Italien, wo die beiden lange Zeiten lebten. Diese Aufnahme veranlasste den Modefotografen Bruce Webber, der im Begriff war, seine legendäre Chet Baker-Dokumentation "Let's Get Lost" abzudrehen, Ruth Young aufzuspüren und sie zu einer zentralen Figur des Films zu machen. 1987 fand er sie auf einem Hausboot in St. Thomas - von Chet Baker getrennt, an der Seite eines anderen Mannes. So sehr sie Chet Baker liebte, hatte sie doch von dem rasenden Zug abspringen müssen. Reiner Selbstschutz. Eine Entscheidung, die ihr, in Anbetracht einer entbehrungsreichen und leidenschaftlichen Zeit, auch heute noch Tränen in die Augen treibt. Umso sensibler musste der Entschluss umgesetzt werden, ein Album aufzunehmen, dass sich mit den tiefen Gefühlen dieser intensiven Dekade auseinandersetzt. Ruth Young befand sich dazu in bester Gesellschaft als sie endlich 2002 in München das Studio des Vibraphonisten Wolfgang Lackerschmids betrat. Neben ihm erwarteten sie Bassist Rocky Knauer und der prägende Westcoast-Saxophonist Herb Geller, alte Freunde - alle drei hatten jahrelang an Chet Bakers Seite gespielt. Es fällt nicht auf, dass der Kölner Pianist Walter Lang nicht aus diesen originalen Kreisen stammt - so intim ist die Stimmung dieser Aufnahme. In alter Chet Baker-Tradition verzichtet diese Besetzung auf Drums. So wird die akustische Nähe und intime Harmonie geschaffen, die dem Sound Chet Bakers und Ruth Youngs schon immer zu eigen war. Ein Jazz-Flair, das sich in blauen Silhouetten wie Zigarettenrauch im Raum verteilt. Das Wechselspiel der coolen und sommerlich warmen Harmonien teilen sich die vier Instrumente mit federleichter Minimalistik auf. Mit gelassener Eleganz hält Ruth Young eine spannungsgeladene Distanz zum Mikrofon: Gebannt und entspannt hängt man an ihren - und sie offenbar an Chet Bakers Lippen. Und dann küsst sie die unvergängliche Romantik eines Repertoires aus der goldenen Zeit des Jazz, den 40ern und 50ern, wieder wach: "I dim all the lights and I sink in my chair, the smoke of my cigarette climbs through the air, the walls of my room fade away in the blue, and I'm deep in a dream of you ..." - man hat das Gefühl, dass an jedem einzelnen Wort eine Erinnerung Ruth Youngs hängt und ertappt sich bei Gedanken an Cocktailparties, verweinten Nächten und italienischen Terrassen mit Meerblick. Der hohe Qualitäts-Standard dieser Musik braucht in Anbetracht der Besetzung nicht explizit beschrieben zu werden - nur so viel: sie ist reif, diffizil und von unglaublich rundem Geschmack. Man legt This Is Always nicht zu einer guten Flasche Wein auf, eher umgekehrt öffnet man eine oder zwei davon für diese Platte. Denn Ruth Young erzählt dem Hörer eine wahre Geschichte. Ihre, und die Chet Bakers. Nicht aus der Sicht einer Biografie, eines Journalisten oder Musikers - nein, aus der Sicht einer Frau an der Seite einer Jazzlegende, die auf tragische Weise lebte und starb. Und deshalb braucht This Is Always auch keine Chart-History um legendärer Vocal-Jazz zu sein - dieses Album ist bereits Jazz-Geschichte. Tracklisting
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