Special: Advent
Wie Adventszeit, Adventskalender und Adventskranz entstanden!
Die Adventzeit beginnt mit dem 1. Sonntag nach dem 26. November. Die Adventzeit endet immer mit dem 25. Dezember und enthält somit vier Sonntage. Viele Bräuche während dieser Zeit zeugen von den mannigfaltigen Einflüssen, denen der Advent im Laufe der Zeit - durch regionale Eigenarten verstärkt - ausgesetzt war, und die von den christlichen Kirchen dankbar aufgenommen wurden.


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Die ersten Belege für eine Art Adventsliturgie in der christlichen Kirche aus dem 4. Jahrhundert aus Spanien und Gallien. Zu jener Zeit dauerte die Vorbereitungszeit nur drei Wochen und war vor allem durch Gottesdienstbesuche, Fasten und gute Werke gekennzeichnet.

Schon in der Niederschrift des Konzils von Saragossa im Jahre 380 wurden die frühchristlichen Gläubigen angehalten, sich während des Advents auf die Geburt von Jesus Christus vorzubereiten. Damals richtete man sich jedoch noch nicht am 24. Dezember als dem Tag der Geburt von Jesus Christus aus, sondern am 6. Januar (Epiphanias = Erscheinungsfest), dem Tag der Erscheinung des Herrn.

Andere Quellen setzen den Ursprung des Advents in das 5. Jahrhundert im Gebiet um Ravenna (Italien) oder verbinden ihn mit Bischof Perpetuus von Tours (Frankreich). Er forderte eine achtwöchige Fastenzeit, die sich vom 11. November (Martinsfest) bis zum 6. Januar ziehen sollte. Dass er diese Zeit bis zum 6. Januar ausdehnte, beruhte darauf, dass der Epiphaniastag bis um das Jahr 1500 herum inhaltlich im Mittelpunkt der Adventszeit stand.

Das Fasten sollte an drei Tagen pro Woche erfolgen. Die Kirche achtete dabei streng darauf, dass die Auflagen insbesondere für die ersten drei Wochen der Adventszeit eingehalten wurden. Alle Freuden, wie Eheschließungen, Fleischgenuss oder öffentliches Vergnügen, wie zum Beispiel Tanzen, waren strengstens verboten.

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In Rom wurde erst im 6. Jahrhundert von Papst Gregor dem Großen die Adventsliturgie in ihren Grundzügen festgelegt. Er setzt dabei erstmals die Zahl der Adventssonntage auf vier fest. Und letztendlich setzte sich diese vierwöchige Adventszeit durch, in der die Menschen Straßen und Wohnungen schmücken und sich auf die Ankunft von Jesus Christus vorbereiten.

Die vier Wochen (und damit auch die vier Kerzen auf dem heutigen Adventskranz) sollen symbolisch auf die 4.000 Jahre hinweisen, die die Menschheit nach kirchlicher Rechnung auf die Ankunft des Erlösers warten mußte. Papst Pius V. schrieb dann die römische Adventsliturgie für die christlichen Kirche endgültig fest.

Jeder Adventssonntag hat sein eigenes Gepräge und gestaltet so die weihnachtliche Vorgeschichte: 1. Advent: Einzug Jesu in Jerusalem. 2. Advent: Wiederkunft Christi. 3. Advent: Johannes der Täufer (Vorläufer Jesu). 4. Advent: Maria (Mutter von Jesus). An jedem Sonntag wird eine weitere Kerze auf dem Adventskranz entzündet. Viele Menschen besuchen einen Adventsbasar oder einen Weihnachtsmarkt, um sich auf das Weihnachtsfest einzustimmen.

Auch für die Kinder ist die Adventszeit wichtig, denn in der gemütlichen, anheimelnden Atmosphäre der Familie kann so recht die Vorfreude auf das Weihnachtsfest entstehen. Kein Kind wird es je vergessen, wie es war, wenn man heimlich mit roten Backen den Wunschzettel schrieb, wenn Mutter zur Probe die ersten Plätzchen in den Ofen schob, den Schmuck des Weihnachtsbaums einer letzten Prüfung unterzog oder die Weihnachtskarten schrieb.


Adventskranz
Der Adventskranz, ursprünglich mit 24 Kerzen bestückt, ist uns in der heutigen Version mit 4 Kerzen (für jeden Adventssonntag eine) einer der beliebsten Begleiter durch die Adventszeit. Das Licht gilt als Symbol für die Hoffnung und die Abwehr des Bösen, und es vertreibt die Dunkelheit.

Wie viele dieser religiösen Sitten ist es ein recht junger vorweihnachtlicher Brauch, der noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts in vielen deutschen Familien unbekannt war. Schon in der Antike kam der Kranz als Siegeszeichen vor. Ein mit Kerzen geschmückter Kranz sollte bereits damals als Symbol für den Kampf des Christen gegen das Dunkle des Lebens stehen.

Geht man jedoch den Spuren der tatsächlich wenig mehr als hundertjährigen Geschichten des Adventskranzes nach, so stößt man auf den evangelischen Theologen Johann Hinrich Wichern (* 1808, † 1881), der 1833 in Hamburg-Horn das 'Rauhe Haus' gründete, um bedürftigen und heimatlosen Kindern und Jugendlichen eine Ausbildung zu ermöglichen. Dort brannten auch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts die ersten Adventsleuchter.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts hatte es sich im 'Rauhen Haus' eingebürgert, auf einem unter der Decke hängenden Kranz 24 Wachskerzen anzubringen. Für die Sonntage gab es große Lichter, für die Wochentage kleine.

Für den 1. Advent des Jahres 1838 bezeugen die Tagebücher von Johann Wichern die Benutzung von kranzförmig aufgestellten bunten Wachskerzen für eine Andacht. Ab 1840 wurde im 'Rauhen Haus' jedes Jahr im Advent eine Andacht gehalten, dann versammelten sich alle Zöglinge und der Pfarrer im Betsaal, Johann Wichern erzählte von Advent und Weihnachten, dazu wurden viele Lieder gesungen.

Weil jeden Tag eine weitere Kerze angesteckt wurde, hieß die Andacht schon bald Kerzenandacht, am 24. Dezember brannten dann alle 24 Kerzen auf einem großen Holzreifen, der an einem Kronleuchter aufgehängt war.

Anfangs waren nur die umgebenden Wände mit Tannengrün bekleidet. Ab 1851 wurde der Holzreif selbst mit Tannenzweigen als Zeichen für das Leben geschmückt. Der Kranz wurde in Hamburg bald durch einen Leuchter in Form eines Baumes ersetzt, was am Platzmangel gelegen haben mag: 24 Kerzen lassen sich leichter auf einem Bäumchen als auf einem Kranz unterbringen. Das Adventsbäumchen allerdings hat sich nicht durchsetzen können.

Den Lichterkranz bzw. Adventskranz hat Pfarrer Johann Hinrich Wichern wohl später, etwa um 1860, als dortiger Oberkonsistorialrat auch im Waisenhaus von Berlin eingeführt.

Der Lichterkranz verbreitete sich zunächst in den vorwiegend protestantischen Städten in Norddeutschland. Vor allem in kirchlichen Gemeindehäusern, Kinderheimen und Schulen fand der Brauch seine Heimat.

Zunehmend wurde der Kranz dann in die häusliche Gestaltung der Adventszeit eingeführt und war bald darauf in fast allen evangelischen Haushalten zu finden. Der "verkleinerte" Adventskranz wurde in den Familien mit vier Kerzen für die vier Adventssonntage geschmückt.

Allmählich hat sich die Sitte des Adventkranzes dann von Norddeutschland aus weiter nach Süden verbreitet. Dieser Brauch wurde auch schon mal von katholischen Familien übernommen. Obwohl der Bekanntheitsgrad des Adventskranzes schon um 1900 merklich zugenommen hatte, verbreitete er sich erst wirklich in den 1920er Jahren. Nach dem Ersten Weltkrieg hat unter anderem die Jugendbewegung dem Adventskranz zu seiner heutigen Verbreitung verholfen.

Bis der Adventskranz im eher katholisch geprägten Süden zu finden war, hat es noch eine ganze Zeit gedauert. 1925 hing ein Adventkranz zum ersten Mal in einer katholischen Kirche in Köln (NRW, Deutschland) mit vier Kerzen, ab 1930 ist er auch in München nachgewiesen.

Um 1935 wurden dann die ersten häuslichen Adventskränze auch kirchlich geweiht. Doch der Brauch des Adventskranzes wurde tatsächlich erst nach dem Zweiten Weltkrieg (ab 1945) in den deutschsprachigen Regionen wirklich heimisch.

Die einzelnen Elemente des Adventskranzes haben symbolischen Charakter. Kerzen, Kränze und grüne Zweige waren auch schon vorher als winterliche Elemente bekannt. Der Kranz selbst steht für die Ewigkeit oder wird als Symbol für die Sonne, die Erde oder als Gottessymbol interpretiert. Die Kerzen stehen für das Licht, das Weihnachten den Menschen geschenkt wird.

Den Adventskranz sieht man inzwischen in verschiedensten Varianten: Ein geschmückter Kranz aus Tannen, Weidenzweigen, Moos oder aus Kunststoff, Glas oder Metall. Auch eine große Wurzel wird in manchen Familien geschmückt und mit Kerzen versehen aufgestellt.


Adventsgedicht
Advent, Advent, ein Lichtlein brennt.
Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier,
dann steht das Christkind vor der Tür.

Ergänzung von weihnachtlichen Spöttern:

Und wenn das fünfte Lichtlein brennt,
dann hast du Weihnachten verpennt!


Adventskalender
Der Adventskalender soll den Kindern die Zeit bis zum Weihnachtsfest verkürzen. Die Ursprünge lassen sich bis ins 17. Jahrhundert verfolgen, so wurden beispielsweise in christlichen Familien im Dezember 24 Bilder nach und nach an eine Wand gehängt.

Eine andere Variante, die eher in den ärmeren Familien praktiziert wurde, war der sogenannte "Strichkalender", bei dem 24 Kreidestriche an eine Türe gemalt wurden, von denen die Kinder täglich einen wegwischen durften. In überwiegend katholischen geprägten Regionen wurden Strohhalme in die noch leere Krippe gelegt, bis insgesamt 24 Halme in der Krippe lagen.

Während die Motive der Bilder und die jeweilige Herstellungsweise wechselten, blieb die Anzahl der symbolischen Tage mit 24 konstant. Dies entspricht den Tagen vom 1. Dezember bis zum 24. Dezember (Heilig Abend). Das früheste Modell eines selbstgebastelten Adventskalenders stammt vermutlich aus dem Jahr 1851, dabei wurden die Bilder des Adventskalenders hinter Türchen versteckt, von denen täglich eines geöffnet werden durfte.

Das erste im Jahre 1908 gedruckte Exemplar verdankt seine Existenz den Kindheitserinnerungen des schwäbischen Pfarrersohnes Gerhard Lang. Seine Mutter hatte damals 24 kleine Gebäckstücke auf einen Karton genäht und ihm auf diese Weise das Warten auf Weihnachten versüßt. Der gedruckte Adventskalender trat danach den Siegeszug rund um die Welt an. Die Adventskalender mit den zu öffnenden Fensterchen kamen nach 1920 schnell in Mode.

Im Nazi-Deutschland wurde die traditionelle Herstellung von Adventskalendern verboten. Statt christlicher Motive wurden nun germanische Götter und Märchenfiguren hinter den Türen des Adventskalenders versteckt. In der Nachkriegszeit konnte der christliche Adventskalender aber rasch wieder an die einstigen Erfolge anknüpfen.

In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts entdeckte die Schokoladenindustrie das enorme Marktpotential, das in den Adventskalendern steckte. Die ersten "Schoko-Adventskalender" entstanden. Fortan bevölkerten diese in der Vorweihnachtszeit die Supermärkte, Kaufhäuser und Einkaufszentren. Inzwischen gibt es die unterschiedlichsten Adventskalender, gefüllt mit Bildern, Schokolade oder Spielzeug, in Postkartengröße zum Verschicken oder auch in virtueller Form im Internet.


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