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Hauswirtschaft muss Schule machen
Brigitte Scherb, Präsidentin 'Deutscher LandFrauenverband', fordert Umdenken!
Berlin - 27. Oktober 2008: Etwa drei Millionen deutsche Privathaushalte sind überschuldet. Die Kosten des Gesundheitssystems laufen aus dem Ruder und der Klimawandel wird durch den gedankenlosen Umgang mit Energie weiter beschleunigt. In all diesen Bereichen, angefangen bei den persönlichen über die gesellschaftlichen bis hin zu den globalen Problemfeldern wird ein erheblicher Aufwand zur Bekämpfung von Symptomen betrieben. Und das mit großem finanziellem Aufwand, beispielsweise in Form von Sozial- oder Versicherungsleistungen.
?Es geht auch anders?, sagt Brigitte Scherb, die Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbands (dlv). Sie tritt mit ihren 500.000 Verbandskolleginnen an, um diese vielfältigen Probleme an der Wurzel zu bekämpfen und um so einen wesentlichen Beitrag zu deren Lösung zu leisten. Das Rezept dazu klingt traditionell, ist aber überaus aktuell: Hauswirtschaftliche Bildung muss wieder ein Unterrichtsfach an den allgemein bildenden Schulen werden.

?Wenn unsere Forderung von der Politik umgesetzt würde, könnte dies mittel- bis langfristig zu einer spürbaren Entlastung der öffentlichen Kassen beitragen?, so Brigitte Scherb. ?Die privaten Haushalte sind die Basis wirtschaftlichen Handelns. Deshalb haben Entscheidungen im privaten Haushalt volkswirtschaftliche Bedeutung?, betont die Präsidentin. Das setze jedoch hauswirtschaftliche Kenntnisse voraus, die in den Familien immer weniger vorhanden sind.

"Wenn alle Bürgerinnen und Bürger unseres Staates solide hauswirtschaftliche Kenntnisse hätten, gäbe es manche Probleme in unserem Land nicht. Dann wüssten alle, wie sie sich gesund ernähren und würden nicht mehr ausgeben als sie einnehmen. Sie könnten mit natürlichen Ressourcen umgehen und hätten soziale Kompetenzen.?

Aus Sicht des dlv wird die gesellschaftliche und ökonomische Bedeutung dieses ?Wirtschaften im Privaten? derzeit völlig unterschätzt. Dabei ist das Prinzip sehr einfach. Die Gesamtheit der von den Haushalten getroffenen Entscheidungen bestimmt die Zukunft des Landes! Hauswirtschaft hat damit eine wesentliche Funktion für unsere Gesellschaft. Und das gilt im positiven wie im negativen Sinne.

Es mag zunächst so scheinen, als hätte Misswirtschaft in privaten Haushalten nur Einfluss auf den eigenen Haushalt. Doch mangelnde hauswirtschaftliche Kenntnisse belasten die Sozialkassen und den Steuerzahler. Deshalb kann es niemandem egal sein, welchen Stellenwert Hauswirtschaft in unserem Land hat, denn sie vermittelt Alltagskompetenzen mit individuellem und gesellschaftlichem Nutzen.

Hauswirtschaft umfasst aber nicht nur ökonomische Bildung. Sie berücksichtigt auch Ernährungs- und Umweltbildung und sorgt so für Gesundheitsförderung und Ressourcenschonung mit den entsprechenden positiven volkswirtschaftlichen und Umweltwirkungen.

Die Bedeutung und Notwendigkeit hauswirtschaftlicher Kenntnisse lässt sich anhand einiger weniger Zahlen eindrucksvoll belegen.

  • 7,3 Prozent der deutschen Privathaushalte befanden sich 2007 in der Schuldenfalle. Das sind etwa 2,9 Millionen überschuldete Haushalte.
  • Jedes 3. Kind und jeder 5. Jugendliche sind übergewichtig. Bei den Erwachsenen sind es mehr als die Hälfte, zwölf Prozent sind sogar fettleibig. Laut Bundesregierung gehen 30 Prozent aller Gesundheitskosten, jährlich mehr als 70 Milliarden Euro, auf ernährungsbedingte Krankheiten zurück.
  • Pro Jahr werden über 600.000 Tonnen Waschmittel, ca. sechs Milliarden KWh Energie und etwa 330 Mio. Kubikmeter Wasser beim Wäschewaschen verbraucht. Schonendes Waschen und Trocknen könnte 11 Prozent Energie einsparen und die Umweltkosten verringern.
Als eine der wesentlichen Hauptursachen für diese Fehlentwicklungen sieht die Präsidentin des dlv die mangelnde Verbraucherbildung in diesen grundlegenden Alltagskompetenzen. ?Hauswirtschaft muss Schule machen?, fordert Brigitte Scherb daher im Namen des gesamten LandFrauenverbands.

Insbesondere Kinder und Jugendliche könnten damit als Verbraucher von morgen das praktische Rüstzeug für die Zukunft erhalten. Mit hauswirtschaftlichen Kenntnissen sind sie in der Lage, sich gesund zu ernähren sowie Ressourcen schonend und Geld sparend zu konsumieren.

Die Forderungen des dlv gehen noch weiter. So soll auch im vorschulischen Bereich das Interesse an hauswirtschaftlichen Fragestellungen kindgerecht und praxisorientiert gefördert werden. Zusätzlich sollten auch erwachsene Verbraucher die Möglichkeit haben, durch kreative und fachgerechte Bildungsangebote Kenntnisse des Haushaltsmanagements zu erwerben.

Die deutschen LandFrauen beschränken sich nicht auf Forderungen, sondern bringen das Thema Hauswirtschaft seit vielen Jahren in Eigenregie und in Kooperationen mit anderen Partnern aktiv in den schulischen Alltag und die Erwachsenenbildung ein.

Das Angebot reicht von Kochkursen für Kindergartenkinder über Arbeitsgemeinschaften und Projekttage für Schüler sowie Vorträge zur gesunden Ernährung für Erwachsene bis hin zum aktuellen Vorzeigeprojekt, einem Ernährungsführerschein für bundesweit etwa 25.000 Grundschüler.

In Anbetracht des großen Potenzials, das die flächendeckende Berücksichtigung der Hauswirtschaft in den Lehrplänen bietet, ist es nur schwer verständlich, warum dies noch nicht geschehen ist. Für die Deutschen LandFrauen steht fest: hauswirtschaftlicher Unterricht sorgt für nachhaltige Verbraucherbildung zum Nutzen jedes Einzelnen und der Gesellschaft.


Hauswirtschaft muss Schule machen
  • Brigitte Scherb, Präsidentin 'Deutscher LandFrauenverband', fordert Umdenken!
  • Armutsprävention durch hauswirtschaftliche Bildung
  • Landfrauen machen Schüler fit für gesunde Ernährung
  • LandFrauen machen 64.000 Grundschüler fit für den aid-Ernährungsführerschein
  • EU-Vorschlag zur kostenlosen Abgabe von Obst und Gemüse an Schulkinder
  • Quelle: dlv. Autor, Redaktion und Verlag sind nicht für die Inhalte externer Webseiten verantwortlich.
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    Mehr Informationen:

    Deutscher LandFrauenverband e. V. (dlv), Claire-Waldoff-Str. 7, 10117 Berlin, Deutschland (GoogleMaps), Festnetz: +49 30 284492-910, Fax: +49 284492-919, , Homepage.


     
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