Wer auf dem Weg in
den Urlaub in einem Stau stecken bleibt, gerät schnell in
Versuchung, über den Standstreifen die nächste Ausfahrt
anzusteuern. Die Deutsche Verkehrswacht warnt davor, sich aus
Ungeduld über Verkehrsregeln hinwegzusetzen. Das kann nicht
nur teuer, sondern für alle Verkehrsteilnehmer auch
gefährlich werden.
Welche Paragraphen auf Autobahnen zu
beachten sind, fasst die DVW für Sie zusammen:
- Am Stau vorbei über den
Standstreifen auf die nächste Ausfahrt zu fahren,
verstößt sowohl gegen § 5 Abs. 1 StVO (?Es ist
links zu überholen?), als auch gegen § 2 Abs. 1
StVO (?Seitenstreifen sind nicht Bestandteil der
Fahrbahn?).
- Freundlich gemeint ist das
Ausscheren nach links, um einem einfädelndem Fahrzeug Platz zu
machen. Dies sollte allerdings nur durchgeführt werden, wenn
der nachfolgende Verkehr nicht behindert wird. Es besteht keine
Pflicht, Platz zu machen. Nach § 18 Abs. 3 StVO hat der
Verkehr auf der durchgehenden Fahrbahn Vorfahrt. Ist keine
Lücke im fließenden Verkehr frei, muss das auffahrende
Fahrzeug warten.
- Eine Ursache von Stau kann ein
Unfall sein. Damit Rettungskräfte schnell zur Unfallstelle
kommen, muss nach § 11 Abs. 2 StVO eine Rettungsgasse gebildet
werden. Bei zwei Fahrstreifen muss die Gasse in der Mitte, bei drei
Fahrstreifen muss sie zwischen dem linken und mittleren gebildet
werden.
- Dauerlinksfahrer sind ein
Ärgernis, trotzdem dürfen diese nicht rechts
überholt werden. § 5 Abs. 1 der
Straßenverkehrsordnung (StVO) gibt eindeutig vor, dass nur
links überholt werden darf. Ausnahmen dürfen nur bei
stehendem und langsamem Verkehr gemacht werden (§ 7 Abs. 2a
StVO).
- Ein häufiger Irrtum ist die
60km/h-Regel: Oft wird angenommen, dass auf Autobahnen mindestens
60 km/h gefahren werden muss. § 18, Abs. 1 StVO schreibt
lediglich vor, dass Autobahnen nur von Kraftfahrzeugen benutzt
werden dürfen, wenn deren durch die Bauart bestimmte
Höchstgeschwindigkeit 60 km/h und mehr
beträgt.
- Wenn andere Autofahrer gegen
Verkehrsregeln verstoßen, bleibt ein guter Fahrer gelassen.
Auf keinen Fall sollten Verkehrssünder durch Ausbremsen oder
Schneiden gemaßregelt werden. Bleiben Sie entspannt und sorgen
Sie für Ihre sichere Weiterfahrt.
- Im Jahr 2009 kam es nach Angaben
des Statistischen Bundesamtes zu 18.394 polizeilich erfassten
Unfällen auf deutschen Autobahnen. 475 Menschen wurden
getötet. Hauptunfallursache waren nicht angepasste
Geschwindigkeit und ungenügender
Sicherheitsabstand.
Hintergrund Die Deutsche
Verkehrswacht gehört zu den ältesten und
größten Bürgerinitiativen Deutschlands. Seit ihrer
Gründung 1924 arbeitet sie für mehr Sicherheit und
weniger Unfälle auf unseren Straßen ? heute mit
mehr als 70.000 ehrenamtlich Engagierten.
Sie informieren, beraten und
trainieren mit Verkehrsteilnehmern jedes Alters sicheres Verhalten
im Straßenverkehr. Die Zielgruppenprogramme der DVW erreichen
rund 2,5 Millionen Menschen pro Jahr.
Die DVW finanziert ihre Aktionen und
Programme mit Unterstützung des Bundesministeriums für
Verkehr, Bau und Stadtentwicklung sowie durch
Mitgliedsbeiträge und Sponsoring.
Juli 2011.
Quelle: Deutsche Verkehrswacht. Autor, Redaktion und Verlag sind
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