Warenkunde 'Grünkohl'
Ein Krauskopf, der es in sich hat!
Seinen Vorfahr, den Meerkohl, trifft man heute noch in manchen rauen Küstenregionen wild an. Grünkohl, auch Braunkohl, Blattkohl oder Pflückkohl genannt, ist unsere winterhärteste Kohlart. Niedrige Temperaturen oder sogar leichter Frost bekommen ihm ausgesprochen gut.


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Bei Temperaturen um Null werden Gerbstoffe abgebaut und Stärke in Zucker umgewandelt - ein Eingriff von Mutter Natur, der den Kohl aromatischer und bekömmlicher macht und den die Hausfrau oft mit einer Prise Zucker nachvollzieht, um ein Gemüse geschmacklich abzurunden.

Im Unterschied zu anderen Kohlarten bildet Grünkohl keine Köpfe, sondern eine offene Blattrosette. Die Blätter sind je nach Sorte mehr oder weniger gekraust, bei frühen Sorten hellgrün, bei späten eher dunkelgrün bis blaugrün. Die Hauptangebotszeit reicht von September bis Februar/März mit Schwerpunkt im Dezember. Erfahrungsgemäß steigt die Nachfrage mit sinkenden Temperaturen, klettern sie wieder, wird der Grünkohl schnell zum Ladenhüter, was er gewiss nicht verdient hat.

Die größten Grünkohl-Fans leben im norddeutschen Raum, dort haben deftige Kohlgerichte eine lange Tradition. Wenn auch kulinarisch nicht überall so hoch angesehen wie etwa der Blumenkohl oder der Rosenkohl, kann der Grünkohl doch mit beachtlichen inneren Werten aufwarten: Von allen Kohlarten hat er den höchsten Gehalt an wertvollem Eiweiß.

Beträchtlich auch sein Gehalt an Mineralstoffen wie Kalium, Caicium, Magnesium, Natrium und Eisen. Nach den Möhren ist Grünkohl der zweitstärkste Lieferant von Provitamin A und was Vitamin C betrifft, da wird er nur von Paprika überholt. So macht der Spruch an einem alten Dithmarscher Bauernhaus "Gott erschuf den Winter - und den Grünkohl als Mittel dagegen" durchaus Sinn.

Grünkohl liebt es in der Regel herzhaft. Nach holsteinischer Art wird er mit Schweinebacke, geräucherten Mettwürstchen und durchwachsenem Speck serviert. Dazu gibt es Bratkartoffeln und reichlich Senf. Die Oldenburger mögen ihre "Palme" mit Haferflocken und einer kräftig gewürzten Wurst namens "Pinkel". Die Braunschweiger haben ihren Grünkohl früher auf Schlachtfesten mit fetter Wurstbrühe genossen.

Eine niedersächsische Spezialität, die außerhalb der Landesgrenzen kaum zu finden ist, nennt sich Brägenwurst. Sie gehört dort zum Grünkohl wie sonst das Salz in die Suppe. Die Westfalen verzehren ihn mit frischer Mettwurst und Speck. Außerdem schmeckt Grünkohl hervorragend zu Kasseler und auch schlicht als fettarme Beilage.


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Grünkohl-Ernte. Foto: CMA

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Quelle: CMA © 1994 - 2011 Dirk Jasper