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Warenkunde 'Olivenöl' Viel Arbeit für das flüssige Gold: Viel Sonne, wenig Regen und ein bisschen Frost |
Vorchristliche Überlieferungen bezeugen dem Olivenbaum ein Alter von über 5.000 Jahren. Hunderte von Jahren kann auch jeder einzelne Olivenbaum alt werden. Seine beste Zeit hat er mit etwa zwanzig Jahren. Dann trägt er die meisten Früchte. Obwohl er heute auf jedem Erdteil zu finden ist, bietet ihm seine Urheimat die besten Lebensbedingungen: der Mittelmeerraum mit seinen langen Sommern und idealem Klima.90 Prozent aller Olivenbäume wachsen hier. Davon alleine knapp 60 Prozent in den EU-Ländern Italien, Spanien, Portugal, Griechenland, Frankreich. Die übrigen Mittelmeerländer wie Tunesien, Türkei und Marokko kommen auf etwa 250 Millionen Bäume. Die weltweit 750 Millionen Olivenbäume unterscheiden sich in weit über 100 Baumarten, die Früchte mit unterschiedlichem Charakter hervorbringen. Um Pflege- und Erntearbeit zu erleichtern, werden Ölbäume in Kulturen auf vier bis sechs Meter zurückgeschnitten. Stecklingsbäume beginnen heute nach ca. 5 Jahren, Samen gezogene nach etwa 10 Jahren die ersten Früchte zu tragen. Oliven sind Steinfrüchte, ihr Fleisch enthält zwischen 15 Prozent und 35 Prozent Öl. Für den guten Ölgehalt ist das Mittelmeerklima optimal. Der immergrüne, tief gewurzelte Baum bevorzugt viel Sonnenschein, hohe Sommer-Temperaturen, mäßige Regenfälle - möglichst zwischen Dezember und April. Ein paar frostige Tage um Null Grad oder leicht unter Null sind ebenso erforderlich. Kälte, zuviel Niederschlag oder starker Wind auf längere Zeit können jedoch zu Schädigungen führen. Olivenernte: Handarbeit oder maschinellZwischen April und Juni leuchten an den silbrigen Blättern der Olivenbäume Blütenstengel mit gelblich-weißen Blüten, die einen leichten Duft verströmen. Durch den Wind bestäubt reifen die Früchte im Laufe der Sommermonate. Zuerst hellgrün, werden sie bis zur Erntezeit dunkelviolett. Aus 100 Blüten wachsen nur etwa fünf Oliven heran.Gepflückt und in Körben oder Netzen gesammelt werden sie größtenteils von Hand. Mancherorts schlägt man mit langen Stangen die Früchte in bereitliegende Netze oder benutzt Rüttelmaschinen, abhängig von der Stärke des Stammes. Bei größerem Abstand zwischen den Bäumen werden die Oliven von Saugmaschinen aufgelesen. Wichtig ist, dass die Oliven unbeschädigt und rasch zur Presse kommen. Zu langer Bodenkontakt und unsorgfältige Behandlung beeinträchtigen die Qualität des Öls. Ist die empfindliche Haut und das Fruchtfleisch der Olive verletzt, begünstigt das den natürlichen Abbauprozess (Fermentation). Deshalb sollten höchstens zwei bis vier Tage vom Pflücken bis zum Pressen vergehen. Pro Baum liegt der Durchschnittsertrag bei etwa 20 kg Oliven, das entspricht einer Menge von 3 bis 5 kg Olivenöl. Von fachgerechter Pflege der Bäume und schonender Behandlung der Früchte, speziell während der Ernte, sind Ölmenge und Ölqualität abhängig. Deshalb liegt in diesem Arbeitsbereich mit ca. 80% der kostenaufwendigste Teil der Olivenölproduktion.
Das Olivenöl: Was heißt eigentlich kaltgepresst?So alt der Olivenbaum, so traditionsreich die Verwertung seiner Früchte. Auch wenn seit kurzem neuere Methoden entwickelt wurden, Ölpressen arbeiten seit Jahrtausenden nach demselben Prinzip. Die bekannteste Methode ist die hydraulische Pressung. Schwere Mühlsteine zermahlen Früchte und Kern zu einem Brei, der, auf Matten verteilt, hydraulisch gepresst eine Emulsion aus Öl und dem oliveneigenen Wasser ergibt. In der Zentrifuge wird diese Verbindung getrennt, das gewonnene Öl durch Filtern von trüben Rückständen gereinigt.In der Zwischenzeit haben andere Pressmethoden in der Produktion Einzug zu halten. Zum Beispiel die Gewinnung des Öls durch die Unterschiede des spezifischen Gewichts von Fruchtwasser und Öl (Sinolea Methode) mit anschließender Restzentrifugierung oder durch den Einsatz des Endlos-Schneckensystems mit kräftigen Zentrifugen, die das Öl direkt vom Brei und Trester trennen. Die Presstemperatur entspricht bei allen Methoden etwa der des menschlichen Körpers. Bei keiner dieser Pressungen wird in irgendeiner Form Hitze zugeführt. Es handelt sich also um "kaltgepresstes Öl", denn eine warme Pressung gibt es heute nicht mehr. Zu Zeiten, als die Pressen noch mit Hand- oder Tierkraft bedient wurden, musste der Brei oft bis zu dreimal gepresst werden, um das Öl zu gewinnen. Für die späteren, also zweiten und dritten Pressungen, goss man heißes Wasser über den schon gepressten Brei, um die Restgewinnung von Olivenöl möglich zu machen. Diese Methode wird heute nicht mehr angewandt. Heutzutage wird nur eine einzige mechanische Pressung durchgeführt. Sie ergibt Olivenöl in verschiedenen Güteklassen und Geschmacksrichtungen, je nach Land und Lage, nach Klima oder Reifegrad der Frucht. Strenge Kontrollen sorgen für die Einteilung in Güteklassen. Olivenöle, die den besten Güteklassen (Native Olivenöle) nicht entsprechen, werden herabgestuft oder raffiniert. Qualitätsmerkmale - das Etikett gibt AuskunftDas auf diese Weise gewonnene Öl wird, wenn es als einwandfrei im Geschmack, Geruch und Farbe beurteilt worden ist und einen Gehalt an freien Fettsäuren bis maximal 1 Prozent bzw. 2 Prozent hat, als Natives Olivenöl extra oder Natives Olivenöl verkauft. Nach den Bestimmungen der EU gibt es folgende Unterschiede:
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