Warenkunde 'Pflaumen aus Frankreich'
Von der Schlehe zur Pflaume
Die Vorfahrin aller Pflaumen ist die Schlehe, die Frucht des kleinasiatischen Wildpflaumenbaumes. Es waren wahrscheinlich Wanderkarawanen, die sie in unsere Breitengrade gebracht haben. Zuerst wurden sie von den Ägyptern und Etruskern angebaut und schließlich von den Römern in ihren Obstgärten veredelt.


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Der Weg nach Frankreich war dann nicht mehr weit: Von René II. Herzog von Anjou (der die Mirabelle in Lothringen einführte) bis zur Königin Claude, von der Prune de Monsieur (die dem Bruder Ludwigs XIII. gewidmet war, der sie geradezu verschlang) bis zur Potager de Versailles. Die Pflaume hat Frankreich schnell im Sturm erobert. "Es sind die Früchte, die mich am meisten verzaubern", sagte La Quintinie, der Gärtner Ludwigs XIV.

In Japan beispielsweise gehört der Pflaumenbaum sogar zu den Glücksbringern. Seine Standfestigkeit ist ein Symbol der Beständigkeit. Manchmal wird er mit Pfirsichblüten oder Wachteln abgebildet: In diesem Fall ist der Pflaumenbaum ein Ausdruck für den Wunsch nach Freude.

Schöne Pflaumen gut behütet
Mehr als die Größe der Pflaume ist ihre matte, faltenlose und fleckenlose Haut und ihr fester fülliger Körper ein Zeichen für Qualität. Vorsicht ist geboten, wenn die Pflaume zu sehr glänzt. Idealerweise ist sie mit einer feinen Wachsschicht bedeckt, die sich bei Berührung ablöst. Allerdings muss das Fehlen dieser Schicht nicht unbedingt ein Grund sein, die Pflaume zu meiden: Einigen Sorten fehlt sie von Natur aus. Die Vielfalt der Pflaumensorten ist so groß. Es ist das beste, sie alle einmal zu probieren.

Pflaumen sind empfindliche Früchtchen und ihr Pflücken (von Hand) hängt entscheidend vom Wohlwollen der Jahreszeiten ab. Daher wurde in den letzten Jahren zunehmend versucht, den Anteil der genauso aromatischen, aber weniger empfindlichen Sorten zu erhöhen. Ein Beispiel hierfür ist die Fermareine, ein Hybrid der Reineclaude. Das Hauptziel dieser Maßnahme ist eine immer bessere Qualität. Dies zeigt sich auf allen Ebenen der Produktion. Heutzutage gibt es - vor allem bezüglich der Reineclaude - eine wahre Mobilisierung der Pflaumen-Produzenten. Sie wollen durch optimierte Produktionstechniken und zahlreiche Tests bezüglich Reife, Zuckergehalt, Umweltbedingungen usw. der Pflaume zu ihrer bestmöglichen Gestalt verhelfen.

Auch wenn Pflaumen so schnell wie möglich gegessen werden sollten, lassen sie sich problemlos in einem kühlen Raum oder im Gemüsefach des Kühlschranks aufbewahren. Natürlich sollte man sie - wie auch alle anderen Sommerfrüchte - eine gute Stunde vor dem Verzehr herausnehmen. Das Einfrieren ist ebenfalls kein Problem, wenn zuvor Kern und Stiele entfernt wurden.

Aber warum nicht auch die Konservierungsmethode unserer Großmütter anwenden? Gekocht sind Pflaumen eine köstliche Basis für Konfitüren, Kompott und - mit einem Schuß Alkohol verfeinert - für Konserven.

Die Pflaume - Ein Gartenfest
Die Pflaume hat viele Gesichter. Im Laufe der Jahre haben die angepflanzten Sorten eine Veränderung durchgemacht, bei der sich die traditionellen Spezies mit denen anderer Länder verbunden haben.
  • Die Reineclaude: Ihren Namen verdankt diese Pflaume, die der Botaniker Pierre Belon aus dem Orient nach Frankreich mitgebracht hatte, der Frau des Königs Franz I. Die "echte" Reineclaude (eine fleischige grüne bis goldbraune Pflaume) darf das französische Gütesiegel Label Rouge tragen. Sie ist süß, relativ empfindlich und aromatischer als ihre Geschwister, die Reineclaude d'Oullins, die Reine-Claude Althan oder die Reine-Claude Bavay.
  • Die Américano-Japonaise: Ihren Einzug in die französischen Obstgärten hielt diese saftige, große Pflaume mit dem kleinen Stein in den 60er Jahren. Sie zeigt sich in gelben, grünen und manchmal leicht rosanen Farben.
  • Die Président: Die vorwiegend im Süden Frankreichs angebaute Pflaume ist groß, länglich und dunkelrot. Ihr gelbes bis leicht grünliches Fruchtfleisch ist mittelsüß, aber sehr saftig.
  • Die Zwetschge: Diese aus dem Elsass stammende längliche saftige und leicht säuerliche Frucht versteckt ein gelb-grünliches Fruchtfleisch unter einer blauschwarzen Haut.
Die Pflaume ist eine Sommerfrucht par excellence: Sie vereinigt Geschmack, Sonne und auch Farbe. Ab Mitte Juli finden sich zuerst die Ameriko-japanischen Pflaumen in dem bunten Korb der Sommerfrüchte. Sofort danach erscheint die Reineclaude mit ihrem Hofstaat, gefolgt von der sehr aromatischen Mirabelle, der säuerlichen Zwetschge und der Président. Und Ende September ist die schöne Pflaumenzeit auch schon wieder vorbei.

Mit über 60.000 Tonnen ist Frankreich nach Deutschland der zweitgrößte Pflaumen-Produzent in Europa. Die grüne Reineclaude führt mit 41 Prozent der nationalen Produktion die Pflaumen an, gefolgt von der Américano-Japonaise (24 Prozent), der Président (23 Prozent) und der Zwetschge (1 Prozent).

Im wesentlichen konzentriert sich der Anbau von Pflaumen dabei auf den Süden Frankreichs: Mit 65 Prozent liegt dabei der Südwesten weit vorn, einen Teil findet man im Westen (15 Prozent). Mit 4 Prozent der nationalen Produktion sind auch Elsass und Lothringen an der französischen Pflaumen-Produktion beteiligt, die sich hier primär auf den Anbau von Mirabellen beschränkt.

Unzählige Pflaumengenüsse
Die Pflaume ist eine durststillende Frucht mit hohem Nährwert. Außerdem enthält sie nicht so viel Zucker wie ihre Süße vermuten lässt. Sie spart also an Kalorien (ca. 58 Kcal je 100 g), nicht aber an Vitaminen: Vitamine der B-Gruppe, Provitamin A und auch das Vitamin E macht sie zu einer wahren Fitnessfrucht. Der Vitaminanteil in der Haut der violetten Pflaumen sorgt außerdem für die Stärkung der Blutgefäße.

Da ihr Zucker leicht vom Körper aufgenommen wird, eignet sich diese Frucht hervorragend als Imbiss bei längeren sportlichen Aktivitäten wie ausgedehnten Radtouren. Der durch die körperliche Anstrengung erhöhte Säurespiegel im Blut wird durch die in der Pflaume enthaltenen organischen Säuren neutralisiert. Durch den hohen Ballaststoffgehalt wirkt diese Frucht auch abführend.

Zum Dessert, als Zwischenmahlzeit, am Strand, zum Picknick ... die Pflaume ist zu allem bereit. Hasenbraten mit Zwetschgen, Geflügelragout mit Pflaumen, Reineclaude mit Schnaps und Zimtcreme. Ob in diesen drei oder in tausend anderen Rezepten - immer zeigt sich die Gabe der Pflaume, sich perfekt mit anderen Aromen zu verbinden, um Auge und Zunge zu verwöhnen. Ihre größten Komplizen in der Gastronomie sind natürlich Geflügel und weißes Fleisch (Kaninchen, Schwein, Kalb), aber auch Salate (Sellerie-, Endivien-, Karotten- oder Gurkensalat) oder Gewürze (Gewürznelken, Pfeffer, Ingwer oder Zimt) und passt zu allen Saucen ...

Soviel wunderbare Gerichte lassen fast die größte Stärke der Pflaume vergessen: den Kuchen. Auf Sandkuchen, Blättertei oder Hefeteig macht sich die saftige Pflaume am liebsten breit. Aber auch Soufflé, Gratin oder Pflaumenparfait sind Beweise dafür, dass uns die Pflaume, ob roh, gekocht oder im Ofen gebacken unzählige Genüsse bietet.

Praxistipp: Um zu verhindern, dass der aus den Früchten austretende Saft den Kuchenteig aufweicht, sollte man die Pflaumen mit der Schnittfläche nach oben legen. Noch einfacher ist es allerdings, den Teig mit gemahlenen Mandeln oder zerbröselten Keksen (z. B. Makronen) zu bestreuen, die den Saft aufsaugen.


Zum Weiterlesen
Pflaumen aus Frankreich. Foto: Sopexa
Pflaumen aus Frankreich - Président. Foto: Sopexa
Reine Clauden aus Frankreich. Foto: Sopexa
Reine Clauden aus Frankreich. Foto: Sopexa
Mirabellen aus Frankreich. Foto: Sopexa
Mirabellen aus Frankreich. Foto: Sopexa

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