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Der Frühstart ins Leben
Chancen und Risiken von Frühgeborenen
Frühgeburten kommen nicht eben selten vor: Etwa 8 Prozent aller Neugeborenen erblicken in Deutschland jedes Jahr zu früh das Licht der Welt, das sind ca. 50.000 Frühgeborene. Die Tendenz ist steigend. So hat sich z. B. die Zahl von Frühgeborenen mit extrem niedrigem Geburtsgewicht seit 1994 fast verdoppelt.
Auch wenn dank modernster medizinischer Technik die meisten der frühgeborenen Babys überleben und sich normal entwickeln, drohen eine Reihe von Komplikationen und mögliche Erkrankungen.

Kinder, die vor vollendeter 37. Schwangerschaftswoche (SSW) geboren werden, sind Frühgeborene. Meist wiegen sie weniger als 2.500 Gramm. Neonatologen, wie Fachärzte für Neugeborene genannt werden, teilen ihre Patienten wie folgt ein: Säuglinge mit einem Geburtsgewicht unter 1.500 Gramm werden als Kinder mit sehr niedrigem Geburtsgewicht und Kinder unter 1.000 Gramm mit extrem niedrigem Geburtsgewicht bezeichnet.

Für die Überlebens-und Entwicklungschancen der Kinder sind das Geburtsgewicht und die Schwangerschaftswoche entscheidend, wobei letzterer mehr Bedeutung zukommt.

Rundum-Versorgung nach dem Frühstart ins Leben Der Blick in eine Neugeborenen-Intensivstation ist für den Besucher ein wenig erschreckend. Die kleinen Erdenbürger scheinen von den Geräten, an die sie über Schläuche und Drähte angeschlossen sind, erdrückt zu werden. Dennoch: Modernste medizinische Technik sichert in den meisten Fällen das Überleben in einer Umgebung, die so ganz anders ist als die Gebärmutter.

Unmittelbar nach der Geburt werden die Kinder in warme Tücher gehüllt und der Atemtrakt, falls erforderlich, vorsichtig abgesaugt. Dann werden sie in ein Wärmebettchen beziehungsweise den Inkubator gelegt, der für die nächsten Wochen bis Monate ihr neuer Aufenthaltsort ist.

Für Frühgeborene kann es lebenswichtig sein, dass sie in einer Klinik geboren werden, die neben der reinen Geburtsabteilung auch eine neonatologische Station besitzt. Ist das nicht der Fall, werden die Frühgeborenen mittels eines Transportinkubators in eine Kinderklinik verlegt. Immer vorzuziehen ist jedoch die ?intrauterine Verlegung?, also die Verlegung des Kindes, wenn es noch im Mutterleib ist.

Wird ein Kind zu früh geboren, sind einige physiologische Systeme noch nicht funktionsbereit. Der Gasaustausch der Lungen oder die Sauerstoffversorgung des Blutes gelingt noch nicht ausreichend. Das Kind ist häufig auch noch nicht in der Lage zu trinken oder seine Körpertemperatur konstant zu halten. Die meisten Komplikationen, die in den ersten Tagen auftreten, wie erhöhte Infektanfälligkeit, (Hirn-)Blutungen und Lungenkrankheiten, haben ihren Ursprung in dieser physiologischen Unreife.

Im Inkubator werden die kleinen Erdenbürger rund um die Uhr überwacht; Elektroden überprüfen laufend Herztätigkeit, Atmung und Temperatur. Eine mit einem Pflaster oder Klettstreifen am Füßchen oder an der Hand angebrachte Sonde dient der Messung der Sauerstoffsättigung.

Bei beatmeten Frühgeborenen können zusätzlich die Sauerstoff-und Kohlendioxidwerte des Blutes durch die Haut hindurch überwacht werden. Diese Methoden sind wenig belastend und vermeiden Blutentnahmen, die ansonsten zur Überwachung des Zustandes notwendig sind. Regelmäßig werden zudem Urin-, Stuhl- und Blutproben entnommen und analysiert, um den Flüssigkeitshaushalt zu steuern.

Viele Frühgeborenen können wegen der mangelnden Hirnreifung noch nicht saugen und schlucken. Dann hilft entweder eine Magensonde, die Nahrung zuzuführen, oder diese wird per Tropf verabreicht.

Atemwege sind die Schwachstelle Problem Nummer eins bei Frühgeborenen ist das Atemnotsyndrom. Etwa 15 Prozent der Frühchen macht es zu schaffen. Früher stark gefährdet, überleben heute mehr als 75 Prozent der beatmeten Kinder. Dennoch tragen rund 15 Prozent schwerste Lungenschädigungen davon.

Das macht sie selbst im späteren Leben extrem anfällig für Bronchitis, Lungenentzündungen oder Infektionen mit dem RS-Virus (Respiratory Syncytial Virus). Wichtig: Im Vorfeld kann das Atemnotsyndrom verhindert werden, indem der Mutter bei drohender Frühgeburt Cortison-ähnliche Substanzen verabreicht werden, um die Lungenreifung zu beschleunigen.

Die Lunge ist erst etwa in der 34./35. Schwangerschaftswoche voll funktionsfähig. Vorher sind die kindlichen Lungenbläschen noch zu wenig mit dem Oberflächenfaktor ?Surfactant? ausgekleidet. Ohne Surfactant fällt die Lunge in der Ausatmungsphase in sich zusammen und die Sauerstoffaufnahme ist stark vermindert.

In den schlaffen Lungenbläschen bilden sich feine Eiweiß-Häutchen, die die normale Atmung behindern. Um das Atemnotsyndrom zu verhindern, ist eine Anreicherung der Atemluft im Brutkasten mit Sauerstoff oder eine maschinelle Beatmung mit Hilfe eines Beatmungsschlauchs erforderlich, über den Surfactant zugeführt werden kann.

Die Crux: Auch durch die maschinelle Beatmung kann die Lunge massivst geschädigt werden.

Komplikationen abhängig von Schwangerschaftswoche Reale Überlebenschancen, und zwar ohne erhebliche Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes, bestehen ab der vollendeten 24. bis 26. Schwangerschaftswoche. Mit 24 und 25 Schwangerschaftswochen liegen die Überlebensraten bei rund 50 Prozent, allerdings ist vor allem bei den Kindern mit 24. Schwangerschaftswoche bei zwei Dritteln bis drei Vierteln mit bleibenden Entwicklungsstörungen zu rechnen.

Kinder mit 1.000 bis 2.500 Gramm, die nach der 30. Schwangerschaftswoche geboren sind, entwickeln sich mit hoher Wahrscheinlichkeit normal, wenn keine weiteren Komplikationen nach der Geburt auftreten.

Kinder mit 1.000 bis 1.500 Gramm, die zwischen der 27. und 30. Schwangerschaftswoche geboren sind, überleben mit mindestens 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit, und das meist ohne Beeinträchtigung. Bei bis zu 25 Prozent kommt es zu behandlungsbedürftigen Entwicklungsstörungen.

Kinder unter 1.000 Gramm, die vor der 27. Schwangerschaftswoche geboren sind, hatten vor 15 Jahren kaum Überlebenschancen. Heute überlebt rund die Hälfte. Bis zu 30 Prozent von ihnen haben allerdings behandlungsbedürftige Entwicklungsstörungen; ihr Risiko wächst, je niedriger das Geburtsgewicht und je kürzer die Schwangerschaftsdauer.

So wurden beispielsweise Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht unter 800 Gramm in einer Studie bis ins Schulalter nachuntersucht. Elf Prozent litten an Bewegungsstörungen, 16 Prozent blieben intellektuell mit einem Intelligenzquotient unter 70 zurück, neun Prozent waren lernbehindert. Aber: Was die geistigen Fähigkeiten betrifft, lagen mehr als 70 Prozent im Normbereich.


Der Frühstart ins Leben
  • Chancen uns Risiken von Frühgeborenen
  • RSV-Infektionen
  • Erst zu früh und dann zu spät
  • Der erste Lebenswinter kann entscheidend sein
  • Hintergrundinformation
  • Glossar
  • August 2008. Quelle: Abbott. Autor, Redaktion und Verlag sind nicht für die Inhalte externer Webseiten verantwortlich.

    Der Frühstart ins Leben. Foto: Archiv
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    Ilona und Dirk Bente sind die Eltern von Ronan, der selbst ein "Frühchen" war.

    Interview mit Ronans Eltern:

    "Was empfindet eine Mutter, wenn das 'Frühchen' plötzlich da ist?"

    "Was empfindet ein Vater, wenn das 'Frühchen' plötzlich da ist?"

    "Wie lange hat es gebraucht, bis Sie eine relativ 'normale' Beziehung zu Ihrem Kind aufgebaut haben?"

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    Ronan mit Mutter Ilona
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    Ronan mit Vater Dirk
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