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Mangas
Geschichte und Besonderheiten des japanischen Comics
Seit 1996 ist das Wort Manga in aller Munde. Die japanischen Comics, hierzulande vor allem in Form von Taschenbüchern zu kaufen, sind aus unserer Bücherlandschaft kaum noch wegzudenken. Erfolgsserien wie "Dragon Ball", "Sailor Moon", "Pokemon" und "Digimon" haben der japanischen Popkultur die Türen in nahezu alle Kinderzimmer geöffnet und so den Weg für eine faszinierende Vielfalt gezeichneter Welten bereitet.
Da das Phänomen Manga trotz des enormen Erfolges bei jungen Lesern vielen Erwachsenen noch immer ein klein wenig rätselhaft erscheint, versucht die Redaktion, die wichtigsten Fragen zum Thema Manga zu beantworten. Der Autor weiß dabei aus eigener Erfahrung, dass man in der Achtung seiner Kinder steigt, wenn man ein wenig Basiswissen hat ;-)
  • Was bedeutet Manga? Das Wort Manga setzt sich and den beiden Kanji Man (= komisch, witzig) und GA (= gezeichnetes und gedrucktes Bild) zusammen, ist in seiner Bedeutung also dem Begriff Comic sehr ähnlich. In Japan versteht man unter Manga alle Comics, gleich welcher Herkunft sie auch sein mögen. In unseren Breiten hat sich inzwischen jedoch eine Verwendungs des Begriffs durchgesetzt, die mit Manga ausschließlich Comics japanischer Herkunft meint und sie so gegenüber Comics aus den USA oder aus Europa abgrenzt.

    Erstmals verwendet wurde der Begriff 1814 von den Holzschnittkünstler Katsushika Hokusai, der unter der Bezeichnung Manga eine Reihe von Skizzenbänden auflegte. Nachdem der Begriff zwischenzeitlich nicht sehr gebräuchlich war, wurde er 1899 von dem Zeichner Kitazawa Rakuten wieder aufgegriffen, der unter diesem Titel eine Sammlung seiner Karikaturen herausgab. Von da an setzte sich die Bezeichnung nach und nach in der Alltagssprache durch.

    Obwohl sich das inhaltliche Themenspektrum der Manga schon bald über rein komische Inhalte hinaus erweiterte, hat sich im Sprachgebrauch - wie ja auch beim Comic - die auf das Komische ausgerichtete Bezeichnung für die Ausdrucksform in ihrer ganzen Bandbreite durchgesetzt.

  • Seit wann gibt es Manga? Auch wenn Manga in der westlichen Welt erst in den letzten Jahren in Erscheinung getreten sind, können sie in Japan auf eine lange Tradition zurückblicken.

    Bereits im 12. Jahrhundert tauchten mit den Chojugiga (gezeichnete Schriftrollen, die man quasi wie einen Film beim betrachtenden Lesen "abspulen" musste) die ersten gezeichneten Bildergeschichten mit satirischem Inhalt auf. Diese erste Formen waren freilich noch Unikate und fanden daher keine allzu weite Verbreitung.

    Einen ersten Schritt in Richtung Massenmedium unternahmen die Manga im 18. und 19. Jahrhundert durch die per Holzschnitt vervielfältigten Toba-e und Kibyoshi, die sich vor allem in Osaka und Edo großer Beliebtheit erfreuten. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kamen dann nach und nach die ersten Zeitschriften auf, in denen Manga in zumeist kürzeren Formen erschienen.

    Der weitere technische Fortschritt, aber auch der Einfluss us-amerikanischer Comic Strips führen den Manga in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts zu seiner ersten Blütezeit, die in der Nachkriegszeit dann schließlich vor allem durch die populären Story-Manga von Osamu Tezuka zur Herausbildung dere größten Comic-Industrie der Welt führten, die schließlich Angebote für praktisch alle potenziellen Leserschichten in einer ungeahnten Vielfalt herausbildet.

    Anteil der 'Manga' in Japan

  • Wie erfolgreich ist Manga in Japan? Auch wenn die japanischen Verlage gegen Ende der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts durch den immer größer werdenden Einfluss elektronischer Medien auf den japanischen Alltag von einer "Krise" sprachen, sind Comics in Japan noch immer ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und einer der wichtigsten Bereiche der Druckindustrie.

    Pro Jahr werden rund zwei Milliarden Manga in Japan verkauft, das sind mehr als 15 verkaufte Exemplare pro Kopf der japanischen Bevölkerung. Jeden Monat erscheinen in den ca. 130 Manga-Verlagen rund 300 Ausgaben der verschiedenen Magazine und ca. 400 Manga-Bücher neu. Die Startauflage einer erfolgreichen Reihe liegt dabei oft noch immer bei 300.000 bis 500.000 Exemplaren pro Band, die Zeitschriften haben gar Auflagen von wöchentlich bis zu 3,2 Millionen Exemplaren!

    Die Grafik zeigt, dass rund 40 Prozent aller in Japan verkauften Druckerzeugnisse auch heute noch immer Manga sind, was Statistiker unter anderem zu der kühnen Berechnung verführt hat, dass in Japan mehr Papier für die Produktion von Manga als für Toilettenpapier verbraucht wird - was auch immer dieser in den Medien gern zitierte Vergleich besagen mag.

  • Was unterscheidet Manga und Comics? Angesichts der immensen Vielfalt der Manga muss jeder Versuch der Benennung von Besonderheiten der Manga im Vergleich zu us-amerikanischen oder europäischen Comics zwangsläufig verkürzend wirken, doch lassen sich mit einem Blick auf das Gros der Produktion in den beiden Kulturkreisen trotz allem einige Unterschiede festhalten, die teils auf kulturellen Besonderheiten, teils auf verschiedene Produktionsweisen zurück zu führen sind.

    Den kulturellen Besonderheiten geschuldet ist ohne Frage das herausstechendste Merkmal, dass Manga nicht von links nach rechts, sondern von rechts nach links gelesen werden, was sich seit der enorm erfolgreichen Veröffentlichung von Dragon Ball in dieser Leseweise inzwischen auch bei den deutschen Übersetzungen als die dominante Publikationsform durchgesetzt hat.

    Auch die sehr viel stärker über das Bild gesteuerte und dadurch oftmals dynamischere Erzählweise der Manga gegenüber den meisten Comics ist ohne Frage eher auf die gänzlich andere Bedeutung des Bildes in der asiatischen Kultur zurück zu führen, die unter anderem ja auch eine ursprünglich auf Bildern basierende Schrift hervorgebracht hat.

    Stärker als von den besonderen Produktionsbedingungen geprägt ist dagegen der Umstand, dass Manga fast ausschließlich in Schwarzweiß erscheinen, während sich in den meisten anderen Ländern die farbige Produktion durchgesetzt hat. Es wäre den Zeichnern praktisch gar nicht möglich, die zum Teil 14 bis 20 Seiten, die sie pro Woche für ein Magazin abliefern müssen, in der kurzen Zeit auch noch in Farbe umzusetzen. Dieser schnelle Produktionsrhythmus führt auch dazu, dass erfolgreiche Manga oft auf bis zu mehreren tausend Seiten mit einer einzigen durchgehenden Geschichte anwachsen, während sich in den USA und in Europa eher das Erzählen in abgeschlossenen Kapiteln von 32 bis 64 Seiten durchgesetzt hat.

    Eine Reihe von wesentlichen Unterschieden haben wir in einer Tabelle gegenüber gestellt, wobei aber darauf hingewiesen sei, dass Ausnahmen, die die Regel bestätigen, in hinreichender Menge existieren.

    Manga Comic
    • "rückwärts" zu lesen
    • meist Schwarzweiß
    • bis zu mehreren tausend Seiten lang
    • sehr einfache Bildsprache
    • eher schnell gezeichnet
    • dynamisches Lesen
    • sehr preiswert
    • breites Themenspektrum
    • für alle Altersgruppen
    • Alltagslektüre
    • "vorwärts" zu lesen
    • meist farbig
    • meist 32 bis 64 Seiten umfassende Kapitel
    • eher komplexe Bildersprache
    • eher langsam gezeichnet
    • eher behäbiges Lesen
    • vergleichsweise teuer
    • eher enges Themenspektrum
    • vor allem für Kinder und Jugendliche
    • "Sonntagslektüre"
  • Welche Spielarten von Manga gibt es? Manga bieten ihren Lesern praktisch alle erdenklichen Inhalte vom Vorschulcomic bis zum Wirtschaftskrimi für Manager. In fast allen Spielformen fällt dabei auf, dass in Manga dem Zusammenspiel der Charaktere untereinander ein sehr viel breiterer Raum eingeräumt wird als dem rein handlungsorientierten Geschehen. Dies gilt selbst für Actionserien wie Dragon Ball, kommt aber am stärksten in den Manga für eine weibliche Leserschaft zum Tragen, in denen fantastische oder abenteuerliche Motive oft ganz dicht hinter die Interaktion zwischen den Protagonisten zurück treten. Durch die enorme Bandbreite der Manga haben sich in Japan Unterbezeichnungen gebildet, die das Geld der Stoffe im Gegensatz zu den in den USA und in Europa gebräuchlichen Genrebegriffen sehr viel stärker auch nach Zielgruppen unterteilen. Die wichtigsten Subformen sind:
    • Shonen Manga: Manga für Jungen
    • Shojo Manga: Manga für Mädchen
    • Lady's Comics: Manga für Frauen
    • Shonen Al Manga: Homoerotische Manga für Mädchen
    • Gag Manga: Witzige Kurzformen, z. B. "Dr. Slump"
    • Story Manga: Epische Formen
    • Koma Manga: Comic Strips und Cartoons
    • Anime Manga: Manga-Adaptionen von Filmen, deren Bilder direkt vom Film abgenommen wurden
    • Hentai oder Ero-Gegika: Erotische Manga
    • Dojinshi: Fan-Manga, die zumeist von Amateurzeichnern umgesetzt werden

    Schriftzug von 'Daisuki'

  • Welche Bedeutung hat Manga in Deutschland? Den ersten ins Deutsche übersetzte Manga mit einer weiteren Verbreitung legte vor rund 10 Jahren der Carlsen Verlag mit Akira vor und erntete damit einen beachtlichen Erfolg. Die in den darauf folgenden Jahren von Carlsen und Ehapa auf den Markt gebrachten Serien konnten an diesen Erstling jedoch bei weitem nicht anknüpfen.

    Doch als Carlsen im Oktober 1996 mit Dragon Ball das Taschenbuchformat für Manga in Deutschland einführte und Ehapa bald darauf mit Sailor Moon folgte, wurde der Damm für eine breite Leserschaft gebrochen. Beide Serien haben inzwischen Auflagen von weit über 60.000 über den Buchhandel verkauften Exemplaren erreicht und damit die Verkaufszahlen der meisten Comics am Kiosk hinter sich gelassen. Die gesamte Dragon Ball-Serie hat inzwischen über 5,5 Millionen Exemplare verkaufen können.

    Seit Oktober 2001 publiziert der Carlsen Verlag das Manga-Magazin Banzai!, das erste Magazin nach japanischem Vorbild in Deutschland, das monatlich erscheint. Die Verkaufszahl pro Ausgabe liegt um die 80.000 Exemplaren mit steigender Tendenz. Anfang des Jahres 2003 wird Carlsen mit Daisuki ein ähnliches Magazin für die weiblichen Leser auf den Markt bringen, die Startauflage beträgt 150.000 Exemplare!


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Japanisches Zeichen für 'Manga'

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