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Dossier 'Olivenöl'
Olivenöl ist nicht gleich Olivenöl: Geschmacksvielfalt wie beim Wein
Was uns als Weinland mit seinen vielseitigen Sorten zwischen Rhein und Main, zwischen der Pfalz und Baden wie selbstverständlich erscheint, nämlich eine große Auswahl für den jeweiligen Geschmack zu haben, ist bei Olivenöl vielfach noch unbekannt. Die meisten Verbraucher setzen auf den guten gesundheitlichen Ruf und beziehen das Öl im Supermarkt je nach Vorliebe für eine Marke oder preisorientiert.
Auf der anderen Seite gibt es in den Olivenöl produzierenden Ländern der EU im Frühjahr die unterschiedlichsten nationalen Wettbewerbe für die Prämierung des besten Olivenöls der jeweils frischen Ernte, wie in praktisch allen Weinländern. Dabei spielen die sensorischen Eigenschaften von Olivenöl, Geschmack und Geruch, die entscheidende Rolle.

Weit über 150 verschiedene Olivenbaum-Sorten sorgen neben Lage, Bodenbeschaffenheit, Klima, Reifegrad usw. für eine geschmackliche Vielfalt, die selbst Weinkenner überrascht. Die größte Vielfalt an Bäumen liefert Italien, wo es zwischen Ligurien und Sizilien alleine an die 80 verschiedenen Sorten gibt.

Aber auch, wenn beispielsweise in Ligurien die Taggiasca-Olive mit einer sehr delikaten, eher süßlich-zarten Fruchtigkeit überwiegt, bedeutet das nicht, dass nicht auch fruchtigere Öle aus dieser Gegend stammen, da mit Mortino, Razzola, Lizona, Lavagnina weitere Olivensorten hier zu Hause sind.

Das gleiche gilt für andere Gebiete. Toskanisches Olivenöl aus den Sorten Frantoio, Leccino, Moraiolo und anderen muss nicht immer eine intensive Fruchtigkeit mit oft einem Geschmack nach grünen Früchten haben. In diesem Fall wurden die Oliven sehr früh geerntet. Wären sie in einem fortgeschrittenen Reifegrad geerntet worden, entdeckt man einen mehr abgerundeten Geschmack mit einem geringeren Bitteranteil.

In Portugal sind die Carrasquenha, Galega und Rendondil die verbreitetsten Sorten. Zum Teil haben sie einen angenehmen, nussigen Beigeschmack. Die meisten Gebiete in Portugal haben für ihre Öle übrigens eine geschützte Ursprungsbezeichnung.

In Frankreichs Süden wachsen die Picholine- und Aglandeau-Oliven und erzeugen ein ausgesprochen delikat und mild schmeckendes Olivenöl mit leichter Süße.

Über 25 verschiedene Olivensorten wachsen in Griechenland, wobei die bekanntesten die Koroneiki, Kalamata und Mastoidis sind. Olivenöle aus Griechenland sind auf Grund einer angenehmen, nicht zu kräftigen Fruchtigkeit beliebt und schmecken je nach Gebiet angenehm nach Bittermandeln.

Der größte Olivenöl-Produzent der EU ist Spanien. Die Regionen für die einzelnen Sorten sind dort besonders groß. In Katalonien geben die Sorten Verdial de Badajoz, Empletre und Arbequinha den geschmacklichen Ton an. Der Geschmack ist fruchtig mit einem Trend zu Bittermandeln bzw. leicht süßlich (Empletre).

In Andalusien gibt es kilometerlange Plantagen mit den Sorten Picual (fruchtig mit Duft nach schwarzen Johannisbeeren), Hojiblanca (fruchtig, leicht-süßlich), Cornicabra (duftig, fruchtig), Lechin (kräftiger Olivengeschmack) sowie der Verdial im Süden Andalusiens, die eher mild fruchtig und angenehm süßlich schmeckt.

Neben dem charakteristischen Olivengeschmack entdecken Freunde dieses flüssigen Golds immer wieder weitere Geschmacksnuancen, sei es nach grünen Tomaten, nach Artischocken, Äpfeln, Kräutern oder vielen Arten von Nüssen.

In all den genannten Anbaugebieten der EU gibt es sortenreine Olivenöle. Es gibt aber auch Plantagen, in denen zwei bis vier verschiedene Olivensorten angebaut sind, deren Mischung von Natur aus eine ganz besonders angenehme Fruchtigkeit ergibt. Sie werden bereits als Früchte miteinander gepresst. Nicht zuletzt gibt es auch das Mischen von verschiedenen Olivenölen nach dem Pressen, die zu einem meist gleich bleibenden markenähnlichen Geschmack führen - übrigens, ebenfalls wie beim Wein.

Immer stehen aber die verschiedenen Arten und Intensitäten des typischen Olivengeschmacks im Vordergrund. Diesen entdeckt man mit all seinen Nuancen am besten bei einer Temperatur zwischen 25 und 28 Grad und indem beim Probieren das Öl den ganzen Mundraum bis zum Rachen erreicht, denn es gibt kaum ein Produkt, das wie Olivenöl das ganze Spektrum der Geschmacksnerven anspricht und entdeckt werden will.


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